1980

Dem Bergamt in Celle wird das erste Konzept für Aufschlussbohrungen im Gebiet der Mittelplate vorgelegt. Die Bohrung Mittelplate 1 ist im August fündig. In 2.000 bis 3.000 Meter Tiefe befinden sich Ölvorkommen in porösen Dogger-Sandsteinschichten.

1980/81

Umfangreiche Feasibility-Studien (Machbarkeitsstudien) werden vergeben. Die Studien haben vor allem Baugrund-Untersuchungen und die Auswirkungen von Eis und Strömungen auf eine Bohr- und Förderanlage zum Inhalt. Die ökologische Bedeutung des Wattenmeeres hat erheblichen Einfluss auf die Planungsarbeiten.

1981

Weitere Bohrungen von Mai bis September bestätigen das Vorkommen, das nunmehr auf 75 Millionen Tonnen Erdöl geschätzt wird. Die Lagerstättenbedingungen sind jedoch schwierig.





1982

Die denkbaren Möglichkeiten für eine Bohr- und Förderinsel werden geprüft, darunter warftähnliche Lösungen, der Schutz durch einen Ringdeich und eine durch Spundwände gesicherte Sandinsel. Mehrere Modellversuche geben Aufschluss über die Sicherheit und die Auswirkungen der jeweiligen Konstruktion auf die Umwelt. Als optimal stellt sich die Spundwandlösung dar.

1983

Das Leichtweiß-Institut der Universität Braunschweig und die Hamburger Schiffbau-Versuchsanstalt untersuchen die hydrographisch-strömungstechnischen Bedingungen im Gebiet der Mittelplate. Langzeit-Analysen über die Extremverhältnisse bei Sturm, Wellengang und Eisgang geben Aufschluss über die Maximalbelastungen des Bauwerks und über die Ausgestaltung im Einzelnen.

1984

Anfang des Jahres werden die Gesamtplanung für das Konstruktions- und Transportkonzept sowie die Detailplanung für die Bau-, Bohr- und Förderphase und für den Transport dem zuständigen Bergamt sowie dem Wirtschaftsministerium in Schleswig-Holstein vorgelegt. Der Rahmenbetriebsplan für das Pilotprojekt Mittelplate wird im Oktober beim Bergamt in Celle eingereicht. Die Landesregierung in Kiel erklärt sich im Dezember mit der Durchführung des Pilotprojektes grundsätzlich einverstanden.

1985

Das Bergamt in Celle lässt den Rahmenbetriebsplan zu, der nicht nur den beteiligten Behörden, sondern auch Naturschutz- und Umweltverbänden, der Fischerei und anderen möglicherweise Betroffenen zur Stellungnahme zugegangen ist. Im Juni beginnen die Bauarbeiten.

Unmittelbar an der Bohrung Mittelplate 1 wird eine 70 x 95 Meter große Bohr- und Förderinsel wie eine kompakte, flüssigkeitsdichte Stahl- und Betonwanne auf dem Sandwatt der Mittelplate errichtet, die durch Spundwände gesichert ist. Insgesamt beansprucht das Bauwerk nur eine geringe Fläche des Wattenmeeres und bietet eine sehr hohe Standfestigkeit gegenüber den Naturkräften, wie Modellversuche nachgewiesen haben.

Der schleswig-holsteinische Landtag verabschiedet im Juli das Gesetz über den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Die Mittelplate liegt wie schon in den ersten Entwürfen in der Schutzzone 3, die bestimmte Nutzungen im Wattenmeer gestattet und die Ölförderung im Gebiet der Mittelplate ausdrücklich zulässt.





1986

Die Bohr- und Förderinsel ist Mitte des Jahres mit allen Anlagen für die Bohrarbeiten fertiggestellt und wird vom Bergamt und dem Germanischen Lloyd, dem TÜV der deutschen Seefahrt, abgenommen.

Beginn von drei abgelenkten Bohrungen zur Feldeserschließung im September. Eine weitere folgt Ende 1987, die den möglichen Entölungsgrad durch Wassereinpressung ermitteln soll.

1987

Der doppelwandige Transport-Leichter zum Abtransport des geförderten Öls zum Hafen Brunsbüttel mit seinen Raffinerieanschlüssen wird auf der Werft in Wewelsfleth vom Germanischen Lloyd nach Fertigstellung abgenommen.

Im Oktober des Jahres beginnt die Testförderung. Sie soll die für eine Entwicklung des Feldes notwendigen technischen und wirtschaftlichen Daten ermitteln. Die Sicherheits- und Umweltschutz-Programme sollen in der Praxis überprüft werden.





1988

Bis Oktober 1988 sind rund 200.000 Tonnen Erdöl ohne Zwischenfälle gefördert. Das Konzept hat sich in allen Belangen bewährt. Erste Ergebnisse der parallel mit dem Rahmenbetriebsplan vereinbarten Begleitstudien zur Umweltverträglichkeit zeigen, dass auch in ökologisch sensiblen Regionen Öl gefördert werden kann, ohne der Umwelt zu schaden.

1989

Die letzte der sechs Bohrungen im Rahmen des genehmigten Pilot-Programmes wird erfolgreich niedergebracht.





Hubschrauber-Landeplatz für Notfälle

Kontrollraum zur Überwachung aller Betriebszustände

Erdölgas betriebene Turbinen zur Energieerzeugung

Lagerplatz für Material und Ausrüstung

Kräne zum Be- und Entladen von Versorgungsschiffen

52 Meter hoher, hydraulisch verschiebbarer Bohrturm

11 Meter hohe Spundwand mit Wellenabweiser

Bohrkeller aus Beton

Flutwasser-Aufbereitungsstation

Abscheider zur Öl-Aufbereitung

Gasvorlagebehälter für Turbinen-Anlage

Kolkschutz aus Steinen gegen gezeitenbedingte Ausspülungen

Doppelwandiger Öl-Lagertank mit 2.000 Kubikmetern Fassungsvermögen

Hafenbecken, in dem das Öl in Doppelhüllenschiffe verladen wird

Hubtor, das während der Ölverladung geschlossen ist

Wohnquartiere für 96 Personen

1990

Die Frühjahrsstürme „Vivian“ und „Wiebke“, die in Deutschland große Verheerungen anrichteten, übersteht die Insel Mittelplate ohne Schaden.

1991

Die Pilotphase wird beendet. Das Projekt ist in allen Belangen des Umweltschutzes, der Fördertechnik, der zu erwartenden Fördermengen und der Transportsicherheit realisierbar.

Die Fortführung und Ausdehnung der Förderung regelt ein erweiterter genehmigter Betriebsplan. Neue vorliegende Ergebnisse der Begleituntersuchungen belegen, dass mit Ausnahme des Baus der Insel keine bleibenden Abweichungen von den natürlichen Veränderungen im Watt eingetreten sind. Ende des Jahres ist eine Million Tonnen Rohöl gefördert.





1994

Nach dem neuesten Stand der Technik wird eine weitere Bohrung abgeteuft. Sie verläuft horizontal durch die Lagerstätte und kann damit ergiebiger aus einer langen Strecke im ölführenden Gestein fördern.

1995

Die Ölfördermenge der Mittelplate soll von 1996 an auf rund 1.750 Tonnen täglich verdoppelt werden. Auf der Grundlage eines von allen zuständigen Behörden und Dienststellen genehmigten Hauptbetriebsplans erfolgen deshalb entsprechende Erweiterungsmaßnahmen auf der bestehenden Insel.

Ein zweiter Transport-Leichter für den Abtransport der zusätzlichen Fördermengen ist gleichzeitig im Bau. Er steht bereits Ende des Jahres zur Verfügung.

Zur Verbesserung des Immissionsschutzes wird eine zweite Gasturbine auf der Insel installiert. Überschussmengen an Erdölgas sollen in Strom umgewandelt und umweltschonend genutzt werden. So wird eine autarke Stromversorgung gewährleistet. Überschüssiger Strom wird über ein im Herbst verlegtes Kabel in das Netz an Land eingespeist.





1996

Die Erweiterung der technischen Anlagen auf der Insel wird planmäßig abgeschlossen. Mitte des Jahres kann die Produktion auf jährlich 550.000 Tonnen Rohöl angehoben werden.

Zur besseren Erkundung des tieferen Untergrundes im Gebiet der Meldorfer Bucht erfolgen nach Genehmigung im Herbst weitere seismische Messungen. Die Arbeiten sollen das verfügbare, aber lückenhafte seismische Datenmaterial ergänzen und wichtige Erkenntnisse bringen über die genaue Lage und Ausdehnung des Salzstocks Büsum, die Ausdehnung der ölführenden Gesteinsschichten nach Osten in Richtung Küste und damit über die Möglichkeit, entfernte und neue Lagerstättenteile durch weit abgelenkte Bohrungen zusätzlich von Land aus zu erreichen.





1997

Aufgrund der Erkenntnisse aus der im Vorjahr durchgeführten Flachwasserseismik führen erfahrene Bohrteams im Sommer eine erste Aufschlussbohrung an Land durch. Hierzu wird ein Bohrplatz im Gebiet der Gemeinde Friedrichskoog mit umfangreichen Maßnahmen zum Schutz der Umwelt eingerichtet. Die Bohrung Dieksand 1 soll die geologischen Formationen im küstennahen Bereich und Fördermöglichkeiten von Land aus erkunden.

Eine erfolgreiche Zwischenbilanz lässt sich im Oktober zum zehnjährigen Förderjubiläum der Bohr- und Förderinsel Mittelplate ziehen. Aus der gleichnamigen Erdöllagerstätte sind über 3 Millionen Tonnen Öl ohne Zwischenfall gefördert worden. Das speziell für die Bedingungen des sensiblen Fördergebietes entwickelte Bohr-, Förder- und Transportkonzept hat sich über die Jahre unter allen Naturbedingungen bewährt.

Durch eine Anpassung der Fördereinrichtungen auf der Insel und eine Erweiterung der Transportkapazität ist zum Jahresende eine Erhöhung der jährlichen Fördermenge auf 800.000 Tonnen möglich. Die Produktion erfolgt in der bestehenden Anlage. Ein dritter Transport-Leichter wird zum Abtransport des geförderten Öls zusätzlich gebaut und eingesetzt. Zur weiteren Erkundung der geologischen Formationen der Erdöllagerstätte lässt das Konsortium im Oktober dreidimensionale Untersuchungen
(3 D-Seismik) durchführen.

Außerdem wird die von Land aus niedergebrachte Aufschlussbohrung Dieksand 1 ausgewertet sowie eine weitere Bohrung vorbereitet. Die Bohrarbeiten für die Bohrung Dieksand 2 beginnen planmäßig Anfang Dezember und sollen sechs Monate dauern. Sie stellen die Fachleute vor große technische Herausforderungen. Um das Zielgebiet in rund 2.000 Meter Tiefe zu erreichen, muss die Bohrung weit abgelenkt über eine Bohrstrecke von fast 8.000 Metern in westlicher Richtung niedergebracht werden. Ermöglicht wird das Vorhaben durch die erfolgreiche Weiterentwicklung der Bohrtechnik – der so genannten Extended-Reach-Bohrtechnologie.







1998

Die Produktionsbohrung Dieksand 2 wird im Mai 1998 erfolgreich beendet. Nach einer Gesamt-Bohrstrecke von 7.727 Metern erreicht die von Friedrichskoog abgeteufte Bohrung ihr Ziel in den ölführenden Doggersanden im östlichen Teil der Lagerstätte Mittelplate. Damit gehört die Extended-Reach-Bohrung zu den am weitesten abgelenkten Bohrungen in der Welt.

Zwei weitere abgeteufte Bohrungen sichern das Förderpotenzial. Ein Ende des Jahres vorgelegter Umweltbericht belegt, dass Bohr- und Förderbetrieb keine nennenswerten Auswirkungen auf die Umwelt verursachen.





1999

Nach den positiven Erfahrungen zur Erschließung des Ölvorkommens auch von Land aus beginnen im Frühjahr der Bau eines Betriebs zur Ölaufbereitung in Friedrichskoog und die Verlegearbeiten von Rohrleitungen zum Abtransport des raffineriefertigen Öls, des Erdölgases und des Kondensats nach Brunsbüttel zur dortigen Weiterleitung an die Abnehmer.

Bis Ende des Jahres werden außerdem zwei weitere Extended-Reach-Bohrungen niedergebracht. Sie erreichen ihr Zielgebiet nach Bohrstrecken von 8.284 und 8.367 Metern. Primäres Ziel der Dieksand-Bohrungen ist es, die hochproduktiven östlichen Lagerstättenteile des Ölfeldes Mittelplate zu erschließen. Die zusätzlich geplante Produktionskapazität aus der Landförderung beträgt rund 1 Million Jahrestonnen. Aus dem großflächigen westlichen Teil der Lagerstätte, der von Land aus nicht erreichbar ist, wird parallel von der Bohr- und Förderinsel aus gefördert.

Die bisherige Fördermenge der Insel Mittelplate beträgt bis Ende 1999 fast 4,9 Millionen Tonnen Erdöl. Mit einer Jahreskapazität von rund 800.000 Tonnen ist wegen der tidenbedingt eingeschränkten Transportmöglichkeiten inzwischen das Förderlimit erreicht. Im Oktober 1999 beschließt der schleswig-holsteinische Landtag ein neues Nationalparkgesetz. Der Betrieb der Bohr- und Förderinsel Mittelplate ist in der jetzt festgelegten Schutzzone 2 weiter zulässig.







2000

Eine wichtige neue Phase der Erschließung des größten deutschen Erdölvorkommens Mittelplate beginnt im Juni 2000. Nach rund 15-monatiger Bauzeit und kurzer Testförderung können in Friedrichskoog die Anlagen zur Ölgewinnung auch von Land aus in Betrieb genommen werden. Damit lässt sich die Ölförderung aus dem Feld optimieren. Bis Jahresende verlaufen alle Arbeitsprozesse auf der Landstation reibungslos und störungsfrei, der Betrieb der Transportleitung erfolgt ohne besondere Vorkommnisse. Auf dem Bohrplatz wird die Bohrung Dieksand 5 abgeteuft.

Die Bilanz zu den Arbeiten auf der Bohr- und Förderinsel ist zum Ende des Jahres erneut positiv. Ohne jegliche Störungen fördert der Offshore-Betrieb über 800.000 Tonnen Öl. Die Fördermenge der halbjährigen Landerschließung beträgt 495.000 Tonnen. Seit Beginn der Förderung aus dem Vorkommen ergibt dies eine Gesamtmenge von fast 6,2 Millionen Tonnen. Jüngste Reserve-Ermittlungen führen zu der Erkenntnis, dass statt der bisher erwarteten 30 Millionen Tonnen Öl mindestens 35 Millionen Tonnen gewinnbar sind. Auch eine zusätzliche Steigerung des förderbaren Potenzials schließen Geologen nicht aus.





2001

Um noch genauere Daten über die geologischen Formationen der Erdöllagerstätte zu erhalten und weitere Möglichkeiten zu erkunden, entfernte und neue Lagerstättenteile durch abgelenkte Bohrungen von Land aus zu erreichen, werden im April 2001 ergänzende dreidimensionale seismische Untersuchungen (3-D-Seismik) durchgeführt.

Die Bohrteams können die Landbohrung Dieksand 5 erfolgreich abschließen. Sie hat ihr Ziel nach 8.995 Metern Bohrstrecke erreicht; eine Distanz, die in Deutschland unübertroffen ist und weltweit einen Platz unter den ersten 10 am weitesten abgelenkten Bohrungen einnimmt. Eine weitere Extended-Reach-Bohrung im zweiten Halbjahr soll den Onshore-Betrieb absichern.

Die im Jahr 2000 begonnenen Bohraktivitäten auf der Insel Mittelplate werden fortgesetzt. Erhebliche Mittel werden in diesem Jahr in Erneuerung und verbesserte Ausrüstung der Bohranlage investiert. Ferner sind die Modernisierung von Betriebseinrichtungen und Wohnquartieren geplant. Die Arbeiten bleiben auf die Insel beschränkt.





2002

Auswertungen der seismischen Untersuchungen aus dem vergangenen Jahr und Erkenntnisse aus weiteren Bohrungen haben ergeben, dass die förderbaren Reserven des Ölfeldes erheblich größer sind als zunächst angenommen. Die Ausförderung dieses höheren Reservenpotenzials würde mit dem bestehenden Konzept noch etliche Jahrzehnte erfordern. Dem stünden die einschlägigen bergrechtlichen Bestimmungen auch nicht entgegen.

Nach Vorlage der neuen Bewertungen des Vorkommens werden allerdings Lösungsmöglichkeiten zur Verbesserung der Ölförderung entwickelt. Erforderlich ist eine Pipeline-Anbindung der Bohr- und Förderinsel Mittelplate an die Aufbereitungsanlagen der Landstation Dieksand in Friedrichskoog. Mit der Rohrleitungsanbindung würden sich die Transportkapazitäten des Offshore-Betriebs im Vergleich zur Verschiffung des Rohöls beträchtlich erweitern. Die Onshore-Ausförderung mit Horizontalbohrungen von Land aus bleibt davon unberührt.

Einem kurzfristigen Eingriff in die Natur während der geplanten Verlegung von zwei ca. 7,5 Kilometer langen Pipelines durch das Wattenmeer sowie einer landseitigen ca. 2,8 Kilometer langen Rohrverlegung zur Landstation steht der ökologische Gesamtnutzen des Projektes gegenüber: Jährlich könnten rund 2.000 Öltransporte mit den eingesetzten speziellen Schubverbänden entfallen. Für die vorgegebenen Prüf- und Genehmigungsverfahren werden die erforderlichen Antragsunterlagen erstellt.

Die gesamte Fördermenge aus der Offshore- und Onshore-Erschließung des Ölfeldes übertrifft im Jahr 2002 erstmals die Grenze von 2 Millionen Tonnen Erdöl.







2003

Mit inzwischen sieben Hightech-Produktionsbohrungen ist die Onshore-Bohrkampagne abgeschlossen. Die letzte, im Februar 2003 in Betrieb genommene, weit abgelenkte Bohrung hat eine Länge von 8.672 Meter und eine Förderrate von rund 400 Tonnen pro Tag.
Der Betrieb auf der Landstation Dieksand verläuft reibungslos. Die künftig erwartete Jahresproduktion aus der Onshore-Förderung beträgt 1,1 - 1,2 Millionen Tonnen Öl.

Die Mittelplate-Produktionsbohrung A16 wird ebenfalls fertig gestellt und in Betrieb genommen. Ihre Produktion liegt mit einer Förderrate von rund 300 Tonnen pro Tag über den Erwartungen.

Im Beisein von Gästen aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Behörden sowie von Medienvertretern wird Ende März in Friedrichskoog die Förderung der zehnmillionsten Tonne Öl aus dem Feld Mittelplate gefeiert. Das mit zahlreichen Innovationen entwickelte und immer wieder erweiterte Bohr-, Förder- und Transportkonzept hat sich zu jeder Zeit bewährt. Die Projektdurchführung, die vor allem den Bedingungen des ökologisch sensiblen Fördergebietes Rechnung zu tragen hat, gilt inzwischen international als vorbildlich.

Nach einem problemlosen Antransport und erfolgreicher Installation kann das neue Wohnquartier mit zugehörigen Betriebseinrichtungen im Oktober in Betrieb genommen und bezogen werden. Nun können 96 statt bisher 69 Personen auf der künstlichen Insel Mittelplate untergebracht werden. Der Wohnkomfort wurde wesentlich erhöht. Die Projektinvestitionen für die Neueinrichtung betragen rund 20 Millionen Euro.

Mitte Oktober 2003 erlässt das Landesbergamt Clausthal-Zellerfeld den Planfeststellungsbeschluss für die Rohrleitungsanbindung der Bohr- und Förderinsel Mittelplate an die Landstation Dieksand in Friedrichskoog. Im Dezember ist der Beschluss nach Ablauf der Widerspruchsfristen rechtskräftig. Die integrierte Offshore- und Onshore-Entwicklung bewährt sich und trägt zu einer schnelleren Ausförderung des Ölfeldes bei. Die Jahresfördermenge erhöht sich im Jahr 2003 auf 2,22 Millionen Tonnen Erdöl; die Gesamtförderung übersteigt 12 Millionen Tonnen.







2004

Ende März wird der Auftrag zum Bau einer neuen Bohranlage für die Bohr- und Förderinsel Mittelplate erteilt. Ein Austausch der Bohreinrichtungen ist erforderlich, um die weitere, technisch immer anspruchsvollere Feldesentwicklung planmäßig fortführen zu können. Es ist geplant, die neue Bohranlage im 2. Halbjahr 2005 auf der Insel zu installieren und sie Ende 2005 in Betrieb zu nehmen. Dann können Bohrungen von bis zu 8.000 Metern Länge in einem Radius von zirka sechs Kilometern um die Insel Mittelplate herum abgeteuft werden. Das Auftragsvolumen beträgt knapp 38 Millionen Euro. Auf der Insel Mittelplate sind inzwischen 17 von 44 möglichen Bohrungen niedergebracht. Die Gesamtfördermenge hat sich auf über 13 Millionen Tonnen Erdöl erhöht.

Nach Abschluss des weiteren Planfeststellungsverfahrens und Zulassung der Pipeline-Anbindung durch das Landesbergamt beginnen im Oktober die vorbereitenden Arbeiten. Über 700 Einzelrohre von 18 Metern Länge werden bis Ende Februar 2005 zu zehn Rohrsträngen in Längen bis zu 1.400 Metern zusammengeschweißt.

Parallel zu den landseitigen Vorbereitungen in Friedrichskoog beginnt die Hafengesellschaft Brunsbüttel im betriebseigenen Elbehafen mit der Ausrüstung von zwölf Offshore-Arbeitspontons. Jeweils zwei der bis zu 100 Meter langen und über 20 Meter breiten Pontons werden für die Bau- und Bohraktivitäten an den sechs Baugruben entlang des Trassenverlaufs benötigt.







2005

Um die Ausförderung des Ölvorkommens zu optimieren, wollen RWE Dea als Betriebsführer und Partner Wintershall bis Ende 2005 mit einem Investitionsaufwand von insgesamt rund 150 Millionen Euro weiter planmäßig die neuen Konzepte zur weiteren optimierten Erschließung und Förderung sowie zur Steigerung von Transportmöglichkeiten realisieren. Kernstück der Vorhaben ist die Pipeline-Anbindung mit einem Investitionseinsatz von allein rund 100 Millionen Euro. Ergänzend dazu werden zahlreiche Betriebseinrichtungen im Offshore- und Onshore-Bereich ausgebaut, optimiert oder erneuert.

Einen wichtigen Meilenstein der Arbeiten zur Pipeline-Anbindung markiert der 19. Mai 2005: Alle zwölf Horizontalbohrungen für die sektionsweise Unterbohrung der insgesamt 7,5 km langen Strecke zwischen der Bohr- und Förderinsel Mittelplate und dem Festland in Friedrichskoog-Spitze sind erfolgreich abgeschlossen. Nach Beendigung der Schweißarbeiten zur Verbindung der in sechs Sektionen verlegten Rohrleitungen und dem Rückbau der Baugruben erfolgen im Juni Abtransport von Arbeits-Pontons und Material. Die Rückbauarbeiten der Offshore-Rohrleitungstrasse und der Transporteinrichtungen in Friedrichskoog-Spitze werden beendet.

Im Juni sind aus dem größten deutschen Erdölvorkommen Mittelplate 15 Millionen Tonnen Öl gefördert. Die Offshore-Fördermenge aus bisher 18 von 44 möglichen Bohrungen beträgt 9,5 Millionen Tonnen Öl. Die Gesamtfördermenge von Land aus beläuft sich auf rund 5,5 Millionen Tonnen Erdöl.

Im Juli 2005 ist die Pipeline-Anbindung der Bohr- und Förderinsel Mittelplate an die Öl-Aufbereitungsanlagen der Landstation Dieksand im seeseitigen Bereich ohne besondere Vorkommnisse abgeschlossen. Der kurzzeitige Eingriff in das Wattenmeer ist damit beendet. Planmäßig verläuft die landseitige offene Leitungsverlegung zur Landstation Dieksand.

August/September 2005: Aufrüstung und Umbau der Insel Mittelplate zur weiteren optimierten Erschließung und Förderung sind in vollem Gange. Transporte, der Aufbau und Installationsarbeiten von erforderlicher Prozesstechnik zur Erhöhung der offshore-seitigen Produktion auf jährlich 1,2 bis 1,6 Millionen Tonnen Öl verlaufen sicher und planmäßig. Ebenso die Einrichtung und der Anschluss von Anlagen und Systemen zur Inbetriebnahme der Pipeline.

Auf der Insel Mittelplate wird die vorhandene Bohranlage durch eine neue leistungsstärkere High-Tech-Anlage ersetzt. Die tonnenschweren vorgefertigten Anlagenteile für den Unterbau waren mit Pontons zur Insel transportiert, mit dem neu errichteten Portalkran entladen, auf ihre Positionen gebracht und in Modulbauweise auf kleinster Fläche zusammengebaut worden. Inzwischen steht die Anlage mit Turmaufbauten bis 70 Meter Höhe zur Einrichtung von Gestänge- und Hebewerken.

Termingerecht erfolgen auf der Landstation Dieksand die erforderlichen Modifikationen und Erweiterungsmaßnahmen der dortigen prozesstechnischen Einrichtungen. Die Produktionskapazität der Aufbereitungsanlagen wird von 1,2 auf 2,5 Millionen Tonnen Rohöl erhöht. Auf dem 55.000 m2 großen Betriebsgelände werden zusätzliche Prozessfelder, eine Maschinenhalle, eine Gastrocknungsanlage, ein Flachbodentank, diverse Prozessbehälter und Separatoren errichtet sowie Erweiterungen an den Betriebsgebäuden vorgenommen.

28. Oktober 2005: Im Beisein des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen sowie weiteren Gästen aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Behörden nehmen RWE Dea AG als Betriebsführer und Wintershall Holding AG als Partner das neue Öl-Transportsystem offiziell in Betrieb.

Die Durchführung des technisch aufwändigen Pipeline-Verlegekonzeptes verlief planmäßig und erfüllte die hohen Umweltanforderungen, die das Vorhaben im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer an das Projekt stellte. Der ökologische Nutzen ist erheblich. Jährlich entfallen ca. 2000 Schiffsbewegungen mit Doppelhüllen-Schiffen zum Abtransport des Rohöls. Bis Ende 2005 sind über 16 Millionen Tonnen Öl störungsfrei aus dem größten deutschen Ölfeld Mittelplate gefördert.







2006

Die Pipeline-Anbindung der Bohr- und Förderinsel Mittelplate bewährt sich. Pro Tag werden inzwischen 2.700 Tonnen Öl aus Deutschlands förderstärkstem Ölfeld durch die neue Edelstahl-Rohrleitung wetterunabhängig und problemlos an Land transportiert. Der kurzfristige Eingriff, der zur Verlegung der Pipeline notwendig war, hat die Watt-Ökologie nicht nachhaltig beeinflusst. Dies belegen die nun vorliegenden Ergebnisse des baubegleitenden Monitorings. Externe Gutachter hatten das Projekt während der Baumaßnahme begleitet und die Auswirkungen auf Seehunde, Vögel und im Boden lebende Tiere beobachtet. Die Ergebnisse zeigen, dass die gesteckten Umweltziele erreicht worden sind.

Nach einer kurzen Testphase hat die neu errichtete High-Tech-Bohranlage auf der Insel Mittelplate ihr umfangreiches Bohrprogramm aufgenommen. Die insgesamt rund 50 Millionen Euro teure Anlage mit der Bezeichnung T-150 ist durch ihre spezielle Ausstattung auf eine umweltgerechte Arbeit im sensiblen Wattenmeer ausgerichtet. Mit ihrem großen Bohrradius von 6.000 Meter Länge um die Insel Mittelplate und Bohrlängen von insgesamt etwa 8.000 Metern kann die Anlage das Ölfeld Mittelplate optimal erschließen.

Seit Mai wird die Bohrung A20 niedergebracht. Ende Juni wird ein neues Logistik-Zentrum für den Umschlag von Bohrklein in Cuxhaven offiziell eröffnet. Das bei den Bohrarbeiten durch den rotierenden Bohrmeißel erzeugte Bohrklein kann im Zuge des neuen Entsorgungskonzeptes nun in der neuen Anlage auf hohem umwelt- und sicherheitstechnischem Niveau gelagert, umgeschlagen und thermisch aufbereitet werden.

Bohr- und Förderbetrieb verlaufen das ganze Jahr über störungsfrei. Die Gesamtfördermenge offshore und onshore beträgt 2006 rund 2,15 Millionen Tonnen Öl.







2007

Das 2005 begonnene umfangreiche Investitionsprogramm für den Offshore- und Onshore-Betrieb ist planmäßig abgeschlossen. Bohr-, Förder- und Transportkonzept sind dem neuesten Stand der Technik angepasst und setzen mit den realisierten und höchst anspruchsvollen Neuerungen einen weltweiten Branchenmaßstab. Rund 670 Millionen Euro wurden inzwischen investiert. Erhebliche Teile der Investitionssumme erklären sich aus den hohen Standards bei Arbeitssicherheit und Umweltschutz.

Passend zum 20-jährigen Jubiläum im Oktober 2007 wurde die 20-millionste Tonne Erdöl aus der Lagerstätte gefördert. Die anfänglichen Fördermengen von jährlich rund 200.000 Tonnen Öl haben sich mehr als verzehnfacht. Die Ölproduktion im sensiblen Ökosystem Wattenmeer verlief zu jeder Zeit störungsfrei. Die jährliche Fördermenge beträgt inzwischen mehr als 2 Millionen Tonnen Öl.

Die dynamische Entwicklung von geophysikalischen Verfahren sowie der Bohrtechnologie in den letzten Jahren hat neue Horizonte für effiziente Bohr- und Förderverfahren eröffnet und dazu geführt, dass die Ölgewinnung ständig optimiert werden konnte.

Ergänzend zu den bereits produzierten 20 Millionen Tonnen Öl gelten nach aktuellem Stand noch rund 30 bis 35 Millionen Tonnen Öl als gewinnbare Reserven. Da die übrigen inländischen Lagerstätten weitgehend ausgefördert und erschöpft sind, ist Mittelplate damit nicht nur das förderstärkste deutsche Ölfeld, sondern mit knapp 65 Prozent der nationalen Rohölreserven auch eines der wenigen bisher nachgewiesenen Vorkommen mit Zukunft. Verfeinerte Auswertungen seismischer Untersuchungen lassen inzwischen noch weitere Öl-Ressourcen erwarten. Die Frage, ob und wie viel Öl sich unter dem Wattenmeer befindet, soll anhand von Probebohrungen geklärt werden.







2008

Da die neue Mittelplate- Bohranlage T-150 für weiter abgelenkte Bohrungen mehr Strom benötigt, werden mit einer Spezialmaschine bis Herbst 2008 zwei 20 KV-Leitungen in 6 bis 10 Meter Tiefe verlegt. Die Verlegung erfolgte kontinuierlich während der Fahrt der Maschine in jeweils schmalen Gräben, die umgehend wieder geschlossen wurden.





2010

Im November 2010 erhält das Stahlgerüst des 70 Meter hohen Bohrturms der Bohr- und Förderinsel Mittelplate eine Einhausung aus Edelstahltrapezblechen. Ziel der Verkleidung ist die Reduzierung von Geräusch- und Lichtemissionen im sensiblen Gebiet des Nationalparks Wattenmeer sowie der Schutz der Mitarbeiter vor Wind und Wetter.

Mit der ersten Multilateralbohrung beginnt Anfang Oktober eine neue Phase der Erschließung des größten deutschen Erdölvorkommens Mittelplate. Durch den Einsatz der innovativen Multilateralbohrtechnik kann mit nur einer Bohrung aus mehreren Lagerstättenbereichen Öl gefördert werden. Die Hightech-Bohrung A23 muss die 4.000 Bohrmeter bis zur Lagerstätte im Dogger-Beta-Sand somit nur einmal bohren, um von dort drei Bohrungsziele anzusteuern. Die neue Technik setzt fortan einen Impuls gegen den natürlichen Förderrückgang aus dem Ölfeld.

Ebenfalls im Herbst erreicht die Erschließung des Ölfeldes Mittelplate einen neuen Meilenstein: Am 23. Oktober 2010 wird die 25-millionste Tonne Öl aus der Lagerstätte gefördert. Bis zu 25 weitere Millionen Tonnen Öl – und damit ein vergleichbares Volumen – gelten noch als technisch und wirtschaftlich gewinnbar.

2011

Zur Reduzierung der Lichtemissionen wird ein optimiertes Beleuchtungskonzept in Betrieb genommen. Das neue Beleuchtungssystem gibt nunmehr möglichst wenig Streulicht an die Umgebung ab und soll verhindern, dass Lichtquellen auf der Mittelplate bei schlechter Sicht nächtlich ziehende Vögel anlocken. Neben der Abschirmung der direkt umgebenden Fauna leistet das Beleuchtungskonzept auch einen Beitrag zur Energieeffizienz, garantiert den Mitarbeitern aber dennoch eine sichere Orientierung in der Dunkelheit und eine optimale Erhellung des Arbeitsplatzes.

Die Fördermenge beträgt 2011 rund 1,4 Millionen Tonnen Öl.





2012

Im Beisein von Gästen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung sowie Medienvertretern wird Ende März in Friedrichskoog die Eröffnung des neugestalteten Mittelplate-Info-Points gefeiert. Touchscreens, digitale Spiele und multimediale Stellwände machen die Mittelplate in den neuen Räumlichkeiten noch besser erlebbar. Seit April organisiert RWE Dea zudem eine kostenfreie Vortragsreihe im Info-Point. Das Themenspektrum reicht von Vorträgen rund um die Mittelplate über die Bedeutung des Energieträgers Erdöl bis hin zu grundsätzlichen Energiefragen.

Zur Steigerung der Effizienz und Umweltverträglichkeit wird die Mittelplate-Logistik zu Land und zu Wasser optimiert. Anfang Juli wird eine neue Landbasis in Cuxhaven in Betrieb genommen. Die von der in Cuxhaven ansässigen EnTec Industrial Services GmbH & Co. KG betriebene Landbasis dient dem Umschlag von Materialien, die auf Deutschlands einziger Offshore-Ölbohreinrichtung benötigt werden. Zudem erfolgt eine Modernisierung der bestehenden Schiffsflotte zur Versorgung der Mittelplate. Damit reduzieren sich sowohl die Schadstoffemissionen pro Schiffstransport als auch die Anzahl der Schiffsbewegungen.

Im Oktober findet das 25-jährige Förderjubiläum statt. Am 12. Oktober 1987 wurde die erste Testförderung aus dem Ölfeld Mittelplate durchgeführt. Die Ölproduktion im schleswig-holsteinischen Wattenmeer verlief zu jeder Zeit störungsfrei, liefert einen bedeutenden Beitrag zur inländischen Ölförderung und trägt zur Sicherung der Energieversorgung der Bundesrepublik Deutschland bei.